Gedanken über Mensch, Organisation und Zukunft.
Der springende Punkt.
Warum Unternehmensvisionen heute oft nicht mehr tragen - und was Menschen wirklich Orientierung gibt.
Unternehmensvisionen sollen Menschen bewegen. Aber warum tun sie es so oft nicht? Es beginnt meistens mit einer guten Idee. Eine neue Strategie, ein gemeinsames Ziel, eine Vision für die Zukunft.
Menschen kommen zusammen, denken nach, entwickeln Bilder und formulieren, wo die Reise hingehen soll. Und dann?
Der Alltag kehrt zurück, die Zahlen müssen stimmen, Kunden warten, Entscheidungen stehen an und Konflikte wollen gelöst werden.
Die Vision hängt derweil an der Wand. Und irgendwann fragt sich jemand: Wofür machen wir das eigentlich alles?
Ich finde, das ist eine ziemlich gute Frage.
Denn Unternehmen haben heute selten zu wenige Ziele. Sie wollen wachsen, innovativer werden, neue Märkte erschließen und die Zukunft gestalten. Aber wissen die Menschen darin auch, warum?
Was wäre, wenn wir andersherum anfangen?
Simon Sinek beschreibt mit seinem Golden Circle drei Fragen, die Unternehmen beantworten sollten:
Was tun wir? Wie tun wir es? Und warum tun wir es?
Die meisten Organisationen beginnen außen. Sie erklären, was sie anbieten und wie sie arbeiten.
Sinek dreht die Perspektive um: Das Warum steht im Mittelpunkt.
Warum gibt es uns? Woran glauben wir? Welchen Unterschied wollen wir machen?
Das klingt zunächst nach einer Frage für die nächste Strategieklausur. Vielleicht nach einem schönen Satz für die Unternehmenswebsite.
Ich jedoch glaube, dass es um viel mehr geht...
Denn ein WARUM kann uns helfen, Entscheidungen einzuordnen, Rückschläge auszuhalten und auch dann weiterzugehen, wenn der Weg unbequem wird. Es gibt unserer Arbeit eine Richtung.
Wer weiß, warum er etwas tut, braucht nicht für jeden Schritt eine neue Motivation.
Ich frage mich manchmal, ob wir Visionen zu sehr mit schönen Zukunftsbildern verwechseln. Wir wollen die Besten sein. Wir wollen Marktführer werden, nachhaltig wachsen, Kunden begeistern, bla bla bla.
Das sind ambitionierte Ziele - die am Ende auf jeden passen... Aber sie beantworten nicht die Frage, warum Menschen sich dafür einsetzen sollten.
Was bedeutet es für mich, wenn mein Unternehmen Marktführer ist? Was verändert sich dadurch in meiner täglichen Arbeit? Und warum sollte mich das überhaupt begeistern? Wenn darauf keine Antworten folgen, bleibt die Vision etwas, das einfach nur andere beschlossen haben.
Dann wird sie kommuniziert, präsentiert und wiederholt - aber leider sie verändert nichts.
Eine Vision verliert ihre Kraft, wenn sie nicht im Alltag ankommt. Menschen merken, ob das, was ein Unternehmen verspricht, zu dem passt, was sie tatsächlich erleben.
Wenn von Vertrauen gesprochen wird, aber jede Entscheidung kontrolliert wird. Wenn Eigenverantwortung gefordert wird, aber niemand entscheiden darf. Wenn Zusammenarbeit beschworen wird, während Abteilungen ihre eigenen Interessen verteidigen...
Dann entsteht eine Lücke. Und diese Lücke lässt sich nicht mit noch mehr Kommunikation schließen.
Ein Warum macht nicht jedes Wie erträglich - jedoch...
Natürlich brauchen wir manchmal einen langen Atem. Veränderungen kosten Kraft und neue Wege sind anstrengend. Nicht jede Entscheidung führt sofort zum gewünschten Ergebnis.
Und genau hier setzt ein gemeinsames Warum an.
Es erinnert uns daran, weshalb wir angefangen haben. Es hilft uns, Schwierigkeiten einzuordnen und nicht bei jedem Hindernis die Richtung infrage zu stellen.
Aber - und das ist mir persönlich wichtig - ein Warum ist kein Freifahrtschein.
Nicht jede Belastung ist notwendig, nicht jede Krise bringt uns weiter. Und nicht jede schlechte Entscheidung wird dadurch besser, dass sie einer großen Vision dienen soll.
Sinn darf nicht zur Begründung dafür werden, Menschen dauerhaft zu überfordern.
Ein gutes Warum gibt Orientierung. Es hilft uns, zu entscheiden, wofür wir unsere Energie einsetzen wollen.
Und manchmal zeigt es uns auch, dass wir etwas verändern müssen. Denn wer weiß, wohin er möchte, darf durchaus hinterfragen, ob der eingeschlagene Weg auch der richtige ist.
Und was bedeutet das für Führung?
Vielleicht beginnt Führung genau hier. Nicht damit, Menschen von einer Vision zu überzeugen. Sondern damit, gemeinsam herauszufinden, was sie im Alltag bedeutet.
Was heißt unser Anspruch für die Entscheidung, die heute ansteht? Wie gehen wir miteinander um, wenn es schwierig wird? Was sind wir bereit zu verändern, damit aus unseren Worten Wirklichkeit wird?
Das lässt sich nicht allein von oben vorgeben. Ein gemeinsames Warum muss freigelegt, verstanden, diskutiert und mit Leben gefüllt werden. Menschen müssen erkennen können, welchen Beitrag sie leisten und warum dieser Beitrag wichtig ist.
Das braucht Zeit. Und manchmal auch unbequeme Gespräche.
Jedoch es ist der Unterschied zwischen einer Vision, die auf einer Folie steht.
Ich denke wir brauchen deshalb keine größeren Visionen, sondern einfach nur ehrlichere - die nicht nur beschreiben, wo wir hinwollen, sondern auch deutlich machen, warum dieser Weg wichtig ist.
Und - Organisationen, die bereit sind, ihre eigenen Ansprüche an ihren Entscheidungen messen zu lassen.
Denn Zukunft entsteht nicht dadurch, dass wir sie möglichst eindrucksvoll beschreiben. Sie entsteht durch das, was wir heute tun. Wer ein Warum hat, erträgt so manches Wie. Aber erst wenn wir unser Warum im Alltag erleben, wird aus einer Vision eine gemeinsame Richtung.
Und vielleicht ist genau das der springende Punkt.
Nicht die Frage, wie wir Menschen für unsere Vision begeistern.
Sondern ob wir ihnen einen Grund geben, sie gemeinsam mit uns Wirklichkeit werden zu lassen.
...sind Übergänge - sind Zeiten des Dazwischen.
Wenn sich etwas verändert und noch nicht klar ist, was kommt.
Manche Übergänge wählt man.
Andere entstehen, bevor man bereit ist.
Ich begleite diese Phasen mit Präsenz und Klarheit -
dabei gebe ich Raum, damit sich das Nächste zeigen kann.
