Gedanken über Mensch, Organisation und Zukunft.
Teamentwicklung ist eine Berg- und Talfahrt. Und manchmal frage ich mich, warum wir uns das eigentlich antun.
Am Anfang ist die Energie hoch... Menschen lernen sich kennen, Ideen entstehen, Ziele werden formuliert. Es wird gelacht, ausprobiert und angepackt. Und dann kommt es - DAS Tal.
Missverständnisse häufen sich, Konflikte brechen auf, Vereinbarungen funktionieren plötzlich nicht mehr. Auf die anfängliche Begeisterung folgt Ernüchterung.
Was eben noch nach Aufbruch aussah, fühlt sich plötzlich nach Rückschritt an. Und mittendrin: die Führungskraft. War das die richtige Entscheidung? Habe ich die falschen Menschen zusammengebracht? Mache ich etwas falsch?
Vielleicht funktioniert das Team einfach nicht. Vielleicht sollte ich aufhören, so viel Energie hineinzustecken.
Ganz Ehrlich: Ich würde dieses Tal gern überspringen.
Denn es kostet Kraft, es fordert Geduld, es kratzt am eigenen Selbstverständnis. Und - manchmal fühlt sich all das, was wir als Führungskräfte gelernt haben, plötzlich erstaunlich nutzlos an.
Aber was, wenn genau hier die eigentliche Entwicklung beginnt?
Wenn die anfängliche Begeisterung nicht mehr trägt, zeigt sich, was wirklich da ist: unterschiedliche Erwartungen, unausgesprochene Bedürfnisse, alte Muster und Konflikte, die bisher niemand ansprechen wollte.
Das ist unbequem - und genau deshalb ist es auch eine Chance.
Denn ein Team wächst nicht dadurch zusammen, dass alle einer Meinung sind. Es wächst, wenn Menschen lernen, Unterschiede auszuhalten, Konflikte zu klären und Verantwortung füreinander zu übernehmen.
Leider: Dafür müssen wir durch dieses Tal.
Nicht, weil jedes Team jede Krise braucht. Und auch nicht, weil jeder Konflikt automatisch zu Wachstum führt. Sondern weil echte Zusammenarbeit mehr verlangt als gute Stimmung.
Und dann passiert etwas... Nicht unbedingt mit einem großen Knall, oft ganz leise.
Ein Konflikt wird anders gelöst. Jemand spricht etwas an, das vorher unausgesprochen geblieben wäre. Verantwortung wird übernommen, ohne dass die Führungskraft alles anschieben muss. Das Team beginnt, sich selbst zu tragen.
Und plötzlich wird klar: Es geht weiter.
Vielleicht anders als gedacht. Vielleicht langsamer als erhofft - jedoch Schritt für Schritt weiter.
Auch Führung bedeutet, das Tal auszuhalten - ohne den Glauben an den gemeinsamen Weg zu verlieren. Nicht alles kontrollieren. Nicht jede Schwierigkeit sofort beseitigen. Sondern - Orientierung geben, ehrlich bleiben und darauf vertrauen, dass Entwicklung möglich ist.
Auch wenn wir gerade mittendrinstecken. Denn das Tal ist nicht das Ende der Entwicklung. Manchmal ist es der Punkt, an dem aus einer Gruppe ein Team wird.
...sind Übergänge - sind Zeiten des Dazwischen.
Wenn sich etwas verändert und noch nicht klar ist, was kommt.
Manche Übergänge wählt man.
Andere entstehen, bevor man bereit ist.
Ich begleite diese Phasen mit Präsenz und Klarheit -
dabei gebe ich Raum, damit sich das Nächste zeigen kann.
